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Gaja / Piemont, Barbaresco

Gaja / Piemont, Barbaresco

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Angelo Gaja, der Großvater des gleichnamigen, noch berühmteren Enkels, und seiner Frau Clotilda Rey gelingt ein weiterer Marketing-Coup: Bereits 1937 bringen sie die den Familiennamen auf das Flaschenetikett und heben sich somit deutlich von den damals üblichen Etiketten ab. Der rote Gaja-Schriftzug ist geboren, der in modernisierter Form bis heute die großen Weine des Hauses ziert. Er ist sozusagen das ikonographische Erbe der zweiten Generation.

Mit der folgenden Generation wird gleich alles eine Nummer größer. Der 1908 geboren Giovanni Gaja macht nämlich zunächst in der Immobilien- und Baubranche Karriere. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg gibt es viel zu tun und der gewiefte Giovanni investiert in Weinberge, und zwar möglichst in die besten. Dabei kommt ihm sein Wissen als „Geometra“ – das ist der Vermessungstechniker der Gemeinde – und sein späterer Einfluss als Bürgermeister von Barbaresco sicherlich zu gute. Am Ende seines Lebens umfassen die Weingüter der Gajas immerhin schon über 80 Hektar.

Sein Vater ist noch Bürgermeister der Gemeinde als Angelo Gaja 1961 die Leitung des Weinguts übernimmt. Da zählt er gerade mal 21 Jahre, hat aber bereits Önologie und Wirtschaftswissenschaften studiert. In ihm finden die beiden Talente der Familie, der Wein und das Geschäft, quasi in akademischer Veredelung zusammen.

Weinbau hat Angelo Gaja unter anderem im französischen Montpellier studiert, und es sind die Spitzenregionen Bordeaux und Burgund, die sich der junge Önologe genauer anschaut. Sobald er später die Möglichkeit dazu bekommt, setzt er in den heimischen Weingütern seine dort erlernten Neuerungen konsequent um.

Im Weinberg ändert er die Art des Rebschnitts und verringert die Stockdichte. Gaja führt zudem die sogenannte grüne Lese ein. Das ist das Wegschneiden junger Trauben, damit sich die Rebe aromatisch auf weniger Früchte konzentriert. Und auch bei der Vinifizierung im Keller schlägt er neue Wege ein. Er perfektioniert die Temperaturregelung der Gärtanks und setzt auf die malolaktische Gärung, um seinen Weinen mehr Schmelz und Charme zu geben. Vor allem aber führt Gaja für den Ausbau und die Reife der Weine, die Barriques, die bekannten französischen Eichenfässer ein.

Doch damit nicht genug. Angelo Gaja bricht mit einem regelrechten Tabu und pflanzt französische Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Chardonnay und Sauvignon Blanc neu an. Dafür lässt er sogar erstklassige Nebbiolo-Lagen in Barbaresco roden, eine „Schande“, wie sein Vater verächtlich meint. Und so heißt denn auch der Cabernet Sauvignon aus diesem Weinberg „Darmagi“, das italienische Wort für Schande. Darmagi kommt erstmals 1978 auf den Markt und ist quasi als Super-Piemonteser das Gegenstück zu den berühmten Super-Toskanern.

Ende der 1980er Jahre erwirbt Gaja Weingüter in Barolo, in der Toskana und in Montalcino. Insbesondere für seinen DOC Barolo „Sperss“ – dem piemontesischen Wort für Sehnsucht – erntet Gaja beste Bewertungen der internationalen Weinkritik. Neben dem „Darmagi“ Cabernet Sauvignon, einem weiteren Barolo (Conteisa) sind es die drei Lagen-Barbaresci Sori San Lorenzo, Sori Tildin, Costa Russi und vor allem der DOCG Barbaresco die Gajas exzellenten Ruf mehren und mehren.

Dabei bleibt er stets und konsequent bei seiner Vorstellung von Wein und Qualität. So stuft er beispielsweise einige Weine freiwillig von der Klassifizierung DOCG Barbaresco und DOCG Barolo auf DOC zurück, da er sich die Zugabe geringer Anteile fremder Rebsorten nicht nehmen lassen will. Als er 2010 die Leitung der Weingüter an seine Töchter Gaia (!) und Rossana übergibt, hat er nahezu alle Ehrungen der Weinwelt erhalten, die es so gibt.

Für den als „König des Barbaresco“ oder gar „Angelo Nazionale“ apostrophierten bedeuten diese Ehrungen wenig. Wichtiger ist ihm, dass mit seinen beiden Töchtern, die Familientradition fortbesteht, mit guten Weinen gutes Geld zu verdienen.

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