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„Verkorkt! Aber glücklich.“ Nase rein, Meinung raus

„Verkorkt! Aber glücklich.“ Nase rein, Meinung raus

Von: Yvonne C. Hildenbrandt Kommentare: 1
5.000
Positionen im Regal, jede einzeln entschieden

Fünftausend Positionen im Regal, und bei jeder einzelnen durfte ich Nein sagen. Das ist der Luxus an diesem Job, den mir keiner glaubt. Sonngrub 39, Kitzbühel, kein Geschäft in der Fußgängerzone, ein Weinkeller in meinem Privathaus, was selbst mir am Anfang ein bisschen verrückt vorkam.

Fast 25 Jahre Wein, mit einem Umweg: zwei Jahre Luxusmöbel. Ehrlich gesagt, die waren nicht schlecht, ich konnte verkaufen, ich war sogar gut darin. Nur hat mein Herz dabei nur höflich genickt und ans Regal zuhause gedacht. Zurück zum Wein bin ich nicht aus Nostalgie, sondern weil mir das Verkaufen von Wein gefehlt hat wie ein fehlender Zahn, den man dauernd mit der Zunge sucht.

Ein paar Winzer haben mich anfangs übersehen. Komischerweise wollten genau die später doch ins Geschäft. Zu spät, ich hatte inzwischen Schöneres gefunden.

Am Tegernseerhof aus der Wachau sieht man am besten, worum es mir geht. Ältestes Weingut der Wachau, irgendwann im Mittelalter von Mönchen gegründet, was mir ehrlich gesagt nie so wichtig war wie das, was seither passiert ist: früher kam noch der Vater mit altmodischen Etiketten persönlich vorbei, heute ist es Martin, seit langem ein guter Freund.

Der Keller

Wenn ich einen Keller einrichte

Da lasse ich fast alles andere liegen. Zuerst rede ich nicht, ich frage. Was kochst Du? Wohin fährst Du in den Urlaub? Mit wem trinkst Du? Soll der Keller gut aussehen oder gut schmecken, für heuer sein oder für zehn Jahre? Jede dieser Fragen hat viel mit den Wünschen und Erwartungen an den Weinkeller zu tun.

Was fast niemand einplant: zwei, drei Flaschen für die Gäste, denen Wein herzlich egal ist. Sonst öffnest Du irgendwann etwas Großes für jemanden, der es nicht bemerkt, und ärgerst Dich den ganzen Abend. Reine Vorsorge.

Der Keller, an den ich mich noch gut erinnere, gehörte einem Kunden, der bei mir einen Armagnac von 1900 gekauft hatte. Getrunken wurde er mit Cola. Über hundert Jahre in der Flasche, und dann kommt Cola dazu. Das bricht mir bis heute das Herz.

Die Haltung

Wogegen ich bin

Gegen das Getue. Nicht gegen Fachwissen, im Gegenteil, wer wissen will, warum zwei Nachbarweingärten völlig unterschiedlich schmecken, für den nehme ich mir gern eine Stunde Zeit. Aber wer einen Kunden klein macht, damit er selbst größer wirkt, hat den Beruf nicht verstanden.

Der meiste Weißwein wird zu kalt getrunken, der meiste Rotwein zu warm. Reine Gewohnheit, kein Geschmack. Änderst Du sonst nichts als das, schmeckt Dein halber Keller besser, und es kostet Dich keinen Cent.

Auf unseren Produktseiten stehen Punkte, Falstaff, Parker, Decanter, weil sie beim Vergleichen helfen. Ja, ich hab schon einige 100-Punkte-Weine getrunken, große Weine, keine Frage. Aber im Weinkosmos drumherum gibt's mindestens genauso viel zu entdecken.

Zuhause wechselt mein Wein ständig, bis auf eine Ausnahme: zum Bügeln ein kräftiger Bin 28 Shiraz von Penfolds. Ich hasse Bügeln, und der hilft.

Wein darf Spaß machen, sonst nichts. Kompliziert soll er nicht daherkommen, dafür ist das Leben zu kurz. „Verkorkt, aber glücklich“ steht für genau das, mehr Leichtigkeit im Glas, ehrliche Freude am Probieren. Ich frag nicht, wie viel Du schon weißt. Wer Lust auf Wein hat, ist willkommen.

Viel Freude beim Lesen, am besten mit einem Glas Wein daneben. Der Rest ergibt sich.

Verkorkt, verplappert, verzaubert, bis zum nächsten Glas.

Deine Yvonne ♥


Kommentare (1)

gravatar
Katharina
Veröffentlicht am 2025-04-11 11:44:01
Eine Beschreibung mit Witz und Humor, Leichtigkeit und mit viel Erfahrung ! Macht sofort Lust auf ein (oder mehrere ) Gläschen !
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Petra H.
Veröffentlicht am 2025-04-10 19:42:53
Nach dieser wunderbaren Beschreibung möchte man sofort eine Flasche dieses fabelhaften Cremant entkorken!
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